Alleine Reisen oder doch lieber in einer Gruppe?


Hallo meine Lieben,

heute gibt es mal ein bisschen was anderes, da ich gemerkt
habe, dass Viele sich fragen, ob es „besser“ wäre alleine oder in einer Gruppe
zu reisen. Zu Beginn schon mal, so pauschal kann man es nicht sagen, da es von
Person zu Person unterschiedlich ist und ich hier nur von meinen eigenen
Erfahrungen sprechen kann!

Ich bin nun seit fast 8 Monaten unterwegs, bin alleine
gestartet und habe dann in Thailand ein Mädel kennengelernt und wir haben
spontan entschlossen zusammen durch Kambodscha zu reisen. So wie es halt ist,
war nichts geplant und ich wollte es mal ausprobieren, obwohl ich schon vor
Beginn meiner Reise davon überzeugt war, dass sowas nicht gut geht.

Ich hatte nie ein Problem alleine zu sein, schon als Knirps,
war ich froh, wenn ich vom Kindergarten
nach Hause konnte, dort schloss ich dann die Tür meines Zimmers und spielte
alleine. Das zog, bzw. zieht sich durch mein bisheriges Leben, wenn ich was mit
Anderen unternommen habe, besonders wenn es über mehrere Tage ging, wie
Festivals, Urlaube oder einfach so bei anderen Leuten pennen, war ich auch
wieder froh, wenn ich Zeit für mich hatte. Das heißt nicht, dass beispielsweise
Festivals keinen Spaß gemacht haben, ganz im Gegenteil, aber irgendwann ist
eben genug. Zumal ich meinen eigenen Kopf habe, wenn ich etwas will, dann mach
ich es, habe keine Geduld, um alles immer wieder mit anderen abzustimmen,  vor allem wenn man 24/7 aufeinander hockt.
Aus diesen Gründen startete ich also alleine und war absolut positiv
überrascht
, wie sich meine bisherige Reise in dem Sinne entwickelt hat.

Als Alleinreisende war und bin ich nie alleine, man ist
immer umgeben von Leuten, sei es im Hostel, am Strand, beim Einkaufen oder
sonst wo. Wenn man also Kontakt mit anderen Leuten möchte, dann kriegt man ihn
auch. Will man aber einfach alleine sein, dann geht das auch ohne Probleme.

Zudem muss man einen klaren Strich zwischen „Alleine sein“
und „Einsam sein“ ziehen, denn ich war zwar monatelang alleine unterwegs,
jedoch kann ich sagen, dass ich in den 8 Monaten nie einsam war! Natürlich
hatte ich auch Tage, wo es mir schlecht ging, das ist ja auch völlig normal,
aber ich weiß auch, dass Zuhause welche sitzen, mit denen ich immer und über
alles quatschen kann.

Natürlich war ich von Beginn meines kleinen Experiments,
schon ziemlich negativ eingestellt, dennoch war ich zuversichtlich, da wir uns
prima verstanden haben. Man muss aber auch sagen, dass wir eigentlich nur 2
Tage vorher so richtig miteinander verbracht haben und uns eher Hals über Kopf
in das Zusammenreisen gestürzt haben. Sie plante schon zukünftig mit mehreren
Leuten zu Reisen, machte schon Pläne mit Freunden, daher denke ich auch, dass
sie ein Mensch ist, der eher Probleme damit hat alleine zu reisen und somit
vielleicht auch konkret nach einer Begleitung gesucht hat.

So trafen wir uns dann also in Phnom Penh in Kambodscha
wieder und reisten dann insgesamt 2 ½ Wochen zusammen durchs Land. Schließlich
gingen wir in Kampot getrennte Wege, da ich es ehrlich gesagt nicht mehr ausgehalten
habe. Werde hier nicht ins Detail gehen, da das nicht hier hin gehört, dennoch
möchte ich auf ein paar Punkte eingehen, die mich am Zusammenreisen gestört
haben. Ich denke aber auch nicht, dass es immer so verläuft oder das es immer
zum Scheitern verurteilt ist, da ich auch so schon mehrmals für kürzere Zeit
mit anderen Leuten gereist bin
und ich nie Probleme hatte, denke hier war es
einfach zu viel des Guten.

Was mich besonders gestört hat war, dass ich kaum neue Leute
kennengelernt habe
. Man ist so aufeinander versteift, dass  man nicht auf andere Leute zugeht oder es
eben beim Smalltalk belässt. Zumal ich am Ende des Tages dann doch meine Ruhe
gesucht und mich meistens vor den Laptop geschmissen habe und dann erst recht
keine Lust mehr hatte Backpacker Smalltalk zu betreiben.

Ein weiterer Punkt war es, sich immer wieder abstimmen zu
müssen. Logischerweise ist das so und auch hier denke ich, dass es nicht immer
Probleme gegeben hätte, jedoch war es ziemlich schwierig, da wir wegen jedem
Scheiß diskutiert haben
. Wir haben nicht gestritten, aber schon alleine immer
alles abzuwägen, hat mich wahnsinnig gestresst.

Schließlich mussten wir beide einsehen, dass wir extrem
unterschiedlich sind
. Zu Teilen war es wirklich wie Tag und Nacht.
Beispielsweise ist sie die absolute Planerin, ihr macht das auch richtig Spaß.
Ist meiner Meinung nach auch überhaupt nichts Verwerfliches dran. Sie hat sogar
schon einen kompletten Plan für unsere Kambodscha Reise gemacht, noch bevor wir
überhaupt angekommen sind und hat auch ihre Reise bis ins Detail geplant. Kann
dir sozusagen sagen, wo sie am 14ten Oktober um 12:30 Uhr ist. Ich hingegen
kriege schon nen Ausschlag wenn ich die Backpacker mit ihrem Lonely Planet im
Bett hocken sehe. Ich plane nur das notwendigste, also eigentlich buche ich nur
Flüge verhältnismäßig früh und lass dann einfach alles auf mich zukommen. So
bleib ich flexibel, kann spontan mit anderen Leuten mitreisen, wie ich es vor
ein paar Tagen gemacht habe und auch einfach mal die Zelte abbrechen, wenn mir
ein Ort nicht gefällt. Ich kann auch nicht verstehen, wie man einen Lonely
Planet, der gefühlte 10 Kilo wiegt mitschleppen kann. Leute, es gibt Internet,
zumal JEDER schaut in den Lonely Planet, das sind doch keine Geheimtipps mehr.
Zumal ich mich so auch nicht stresse wenn ich unbedingt 50 verschiedene
Sehenswürdigkeiten sehen möchte oder mich ärgere, weil ich es nicht in der Zeit
geschafft habe.

Das ist natürlich von Person zu Person unterschiedlich. Ich
habe auch genug Beispiele getroffen, wo es gut ging, man muss sich nun mal
bewusst sein, dass es keine leichte Situation ist, obwohl das Zusammenreisen
auch viele positive Aspekte mit sich bringt, beispielsweise hat man immer eine
Bezugsperson dabei, auf die man in schwierigen Situationen (hoffentlich) zählen
kann. Man kann sich beratschlagen was man macht und kann die zahlreichen,
einzigartigen und tollen Momente auf Reisen teilen. Daher muss ich auch sagen,
dass definitiv nicht alles nur schwarz und weiß ist und ich auch denke, dass
das Zusammenreisen für mich persönlich den Reiz auch noch nicht verloren hat.
Ich denke auch, gerade mit einer Persönlichkeit wie meiner, wäre es ein riesen
Fortschritt mit dem Zusammenreisen klar zu kommen, denn so lern auch ich mal
die Fehler anderer Menschen besser hin zu nehmen und mehr das Wir-Gefühl zu
bestärken.

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